Foto: PJH

Mit einem Trauerstaatsakt hat der Bundestag heute am Dienstag, 24. Februar 2026, Abschied von seiner früheren Präsidentin Prof. Dr. Rita Süssmuth genommen. Die CDU-Abgeordnete war am 1. Februar im Alter von 88 Jahren in Neuss verstorben. Sie zählt zu den prägendsten Politikerinnen der Nachkriegszeit und gilt als Vorkämpferin für Gleichberechtigung und ein modernes Familienbild. 
Weitere Informationen und Bilder: Politik nimmt Abschied von Rita Süssmuth

Nach dem Bundespräsidenten ist es der höchste Posten zur Repräsentation der deutschen Demokratie: Das Amt des Bundestagspräsidenten – protokollarisch der zweithöchste Rang im Staat. Mag die politische Macht auch begrenzt sein, so genießt das Amt doch höchstes Ansehen. Das Wort der Parlamentspräsidentinnen und -präsidenten hat in der Öffentlichkeit Gewicht. In unserer Serie stellen wir die elf Männer und drei Frauen an der Spitze des deutschen Parlaments vor. Hier: Prof. Dr. Rita Süssmuth, Bundestagspräsidentin vom 25. November 1988 bis zum 26. Oktober 1998.

Politische Seiteneinsteigerin

Quelle: Bundestag

Länger als sie sind bislang nur Prof. D. Dr. Eugen Gerstenmaier und Prof. Dr. Norbert Lammert in diesem Amt gewesen: Zehn Jahre stand die Christdemokratin an der Spitze des Parlaments. Dabei war Süssmuth eine politische Seiteneinsteigerin. Erst 1985 – noch ziemlich unbekannt – übernahm die Professorin für Erziehungswissenschaft überraschend das Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit. Als Dr. Philipp Jenninger wegen einer umstrittenen Rede zur Reichspogromnacht als Bundestagspräsident zurücktreten musste, wurde Süssmuth seine Nachfolgerin. Das Amt an der Spitze des Parlaments führte sie als Instanz, die über die Tagespolitik hinauszuschauen hat. Die gebürtige Wuppertalerin versteht den Bundestag als „Werkstatt der Demokratie“, die stetiger Kreativität und Förderung bedarf.

Rita Süssmuth (geborene Kickuth) wurde am 17. Februar 1937 in Wuppertal geboren. Ihr Vater war Lehrer. Auch Süssmuth schlug zunächst diese Laufbahn ein: Nach dem Abitur, das sie 1956 im westfälischen Rheine gemacht hatte, begann sie 1961 ein Romanistik- und Geschichtsstudium in Münster. Später wechselte sie nach Tübingen und Paris, bevor sie ihr Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien 1961 in Münster ablegte. Danach entschied sich Süssmuth für ein Postgraduiertenstudium der Erziehungswissenschaft, Soziologie und Psychologie. 1964 wurde sie mit der Arbeit „Studien zur Anthropologie des Kindes in der französischen Literatur der Gegenwart unter besonderer Berücksichtigung François Mauriacs“ promoviert.

Zehn Jahre lang, von 1988 bis 1998, stand Süssmuth an der Spitze des Hohen Hauses. Davor war sie von 1985 bis 1988 Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, ab 1986 zusätzlich für Frauen. Sie war die erste Politikerin, die den Bereich Frauenpolitik in diesem Ressort auf Bundesebene etablierte. 

weitere Informationen und Bilder: Rita Süssmuth: Populäre Seiteneinsteigerin

Heute auch:

Vier Jahre nach Russlands Invasion in die Ukraine am 24. Februar 2022 dauern die massiven russischen Angriffe an.

Zivile Infrastruktur wird gezielt zerstört, Millionen Menschen sind betroffen.

Zu den Inhalten springen

Vier Jahre russische Vollinvasion in der Ukraine | Hintergrund aktuell | bpb.de

PJH