Dillingen. Purer Praxisunterricht im Fach „Politik und Gesellschaft“ stand am Dienstagvormittag, den 28. Oktober 2025, für 16 Schülerinnen und Schüler der Staatlichen Berufsschule Lauingen auf dem Programm. Die 10. Klasse, die den Beruf des Technischen Systemplaners in der Fachrichtung Stahl- und Metallbautechnik erlernt, besuchte das Amtsgericht Dillingen. Ihr Besuch sollte mit der Beobachtung einer Strafverhandlung beginnen, doch es kam anders als geplant.

Die Klasse hatte sich versammelt, um einem Prozess gegen einen Heranwachsenden beizuwohnen, dem ein Verstoß gegen das neue Konsumcannabisgesetz (KCanG) zur Last gelegt wurde. Die Verhandlung, die von der Direktorin des Amtsgerichts persönlich geleitet werden sollte, konnte nicht eröffnet werden. Der Grund: Ein organisatorisches Missgeschick. Die für den Fall benötigten Jugendschöffen waren vergessen worden zu laden. Da auf die Schnelle kein Ersatz gefunden werden konnte, musste der Prozess vertagt werden.

Ausfall wird zur Generalprobe

Die Direktorin des Amtsgerichts, Frau Eisenbarth, handelte umgehend und souverän. Um die wertvolle Zeit nicht ungenutzt verstreichen zu lassen, lud sie die Schulklasse ein, unter ihrer direkten Anleitung Verhandlung selbst nachzuspielen. Die Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rollen von Richter, Protokollführer, Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Angeklagten und erhielten so eine einzigartige und realitätsnahe Schulung in Rechtskunde.

Überraschende Wende im Nachbarstreit

Im Anschluss durften die angehenden Technischen Systemplaner noch einer weiteren Verhandlung beiwohnen, die wegen Bedrohung im Rahmen eines Nachbarschaftskonflikts angesetzt war und ebenfalls von der Direktorin des Amtsgerichts geleitet wurde. Zur Überraschung aller Anwesenden endete dieser Prozess zügig: Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft wurde das Verfahren im Gerichtssaal eingestellt.

Die 16 jungen Besucher zeigten sich von dem Vormittag sichtlich beeindruckt. Das unvermittelte Erleben von Justiz, die sowohl mit organisatorischen Hürden als auch mit überraschenden Wendungen aufwartete, hinterließ einen tiefen Eindruck. Frau Eisenbarth kam der Einladung der Schule gerne nach: Sie wird die Klasse in Lauingen besuchen, um die gewonnenen Eindrücke und offenen Fragen aus dem Gerichtssaal direkt im Klassenzimmer nachzubereiten.

Bilder und Text: Ivo Hagen